Der südafrikanische Boerboel ist eine Hunderasse.
Südafrikanische Boerboels sind kräftige, robuste und widerstandsfähige Hunde mit einem ausgeprägten Wachinstinkt, jedoch ohne übermäßige Aggressivität. Ihre Hauptaufgabe ist der Schutz ihrer Familien, in Südafrika wurden Boerboels aber auch zur Jagd auf Kleinwild eingesetzt. Diese Hunde sind gehorsam, intelligent und ihren Besitzern treu ergeben. Boerboels sind eine einheimische afrikanische Rasse mit europäischen Wurzeln und werden derzeit von der FCI nicht anerkannt.
Inhalt
Ursprungsgeschichte
Der Rassename „Boerboel“ bedeutet übersetzt „Bauernhund“. In Südafrika wurden sie bis in die 1980er-Jahre einfach „Buli“ genannt, was „Hund“ bedeutet. Die Rasse entwickelte sich unter europäischen Siedlern: Im 17. Jahrhundert kamen sie nach Südafrika, gründeten eine niederländische Kolonie und brachten Bullenbeiser-Hunde mit. Durch die Kreuzung dieser Hunde mit einheimischen Rassen entstand der Boerboel.
Im Jahr 2002 begann der südafrikanische Kennel Club offiziell mit der Registrierung des Boerboels als eigenständige einheimische Rasse, die jedoch noch nicht von der FCI anerkannt wurde. Die Russische Kynologische Föderation erkennt die Rasse hingegen an und erlaubt Boerboels die Teilnahme an Ausstellungen und anderen Veranstaltungen im Rahmen des RKF-FCI-Systems.
Erscheinungsbild und Standards
Der südafrikanische Boerboel ist ein kräftig gebauter, großer Hund mit starkem Knochenbau und gut entwickelter Muskulatur. Die Geschlechtsunterschiede sind deutlich ausgeprägt: Hündinnen sind wesentlich leichter und kleiner als Rüden. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von 66 cm (mindestens 60 cm), Hündinnen von 55 cm (mindestens 50 cm). Das Gewicht liegt zwischen 60 und 90 kg.
Der Kopf ist rechteckig, breit, mit gut entwickelter Muskulatur und relativ kurz. Die Scheitelregion ist fast flach. Der Übergang von der Stirn zur Schnauze ist fließend. Die Augenfalte ist flach. Die Schnauze ist breit, unter den Augen gut ausgefüllt und verjüngt sich zur Nase hin. Die Nase ist schwarz mit großen, weit geöffneten Nasenlöchern. Die Kiefer sind kräftig, breit und verjüngen sich leicht nach vorn. Das Gebiss ist vollständig, weiß und kräftig mit Scherengebiss. Ober- und Unterlippe sind fleischig und bilden mäßige Lefzen. Die Augen sind mittelgroß, rund und gerade eingesetzt. Die Augenfarbe ist so dunkel wie möglich. Die Augenlider sind kräftig und gut pigmentiert. Die Ohren sind dreieckig, hängend und relativ hoch und weit auseinander angesetzt. Sie sind an der Basis breit, verjüngen sich zur Spitze hin und haben abgerundete Ränder.
Der Hals ist kräftig, eine leichte Wamme ist zulässig. Der Körper des Boerboels ist rechteckig, breit und kräftig. Der Rücken ist gerade. Der Brustkorb ist lang und tief. Die Lende ist kurz und gerade. Die Kruppe ist breit und flach und geht fließend in den Rutenansatz über. Die Rute ist gerade und kräftig. Sie wird üblicherweise am dritten oder vierten Halswirbel kupiert; unkupierte Ruten sind jedoch zulässig. Die Gliedmaßen sind kräftig, mit gut entwickelter Muskulatur und gesunden Gelenken. Die Haut ist dick und geschmeidig. Bei Interesse bilden sich kleine Fältchen auf der Stirn.
Das Fell des Boerboels ist glatt, dicht und kurz. Seine Farbe kann einfarbig rot, rehbraun oder gestromt sein, mit oder ohne dunkle Maske. Kleine weiße Abzeichen an Brust oder Beinen sind zulässig, jedoch wird von der Zucht solcher Hunde abgeraten.
Ausbildung und Weiterbildung
Der Boerboel ist ein intelligenter, lernfähiger und umgänglicher Hund mit einem ausgeprägten Schutzinstinkt und einer treuen Bindung zu allen Familienmitgliedern. Dies erfordert eine sorgfältige Erziehung und ein konsequentes Training, das bereits in den ersten Lebenstagen des Welpen beginnt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Gehorsam und Sozialisierung.
Der Welpe ist an Spaziergänge und den Umgang mit anderen Hunden gewöhnt. Es ist wichtig, jegliche Anzeichen von Aggression zu vermeiden, da der Boerboel blitzschnell reagiert und innerhalb von Sekunden von verspielt zu angriffslustig wechseln kann. Mit dem allgemeinen Gehorsamstraining kann ab einem Alter von sechs Monaten begonnen werden. Bei absolutem Gehorsam folgt das Training mit engmaschigen Gruppen, das sein natürliches Potenzial fördert und lenkt. Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass die Erziehung eines Boerboels kein einmaliges Ereignis, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist.
Ein Boerboel braucht viel Auslauf. Bei Wohnungshaltung wird er zweimal täglich ausgeführt, wobei er jeweils etwa 5 km zurücklegt. Die Spaziergänge werden stets durch Training und aktives Spielen ergänzt. Auch die Teilnahme an Zughundesportarten ist möglich.
Charakter- und psychologisches Porträt
Der Charakter des Boerboels ist seine größte Stärke. Diese Hunde werden zu treuen und ergebenen Begleitern, die intuitiv die Gefühle, Ängste und Bedrohungen ihres Besitzers spüren. Diese Eigenschaften zeigen sich bereits im Welpenalter. Ausgeglichen, mit einem starken Selbstwertgefühl und außergewöhnlichem Mut, brauchen Boerboels ständigen menschlichen Kontakt. Sie erkennen mehr als einen Besitzer an; sie lieben alle Familienmitglieder aufrichtig und würden sie mit ihrem Leben verteidigen. Boerboels vertragen sich gut mit anderen Tieren und sind sehr anhänglich und aufmerksam gegenüber Kindern.
Wartung und Pflege
Wie viele Hundebesitzer bestätigen können, passen sich Boerboels problemlos an alle Lebensbedingungen an. Sie können in einer Wohnung oder einem Haus als Familienmitglied leben oder fast das ganze Jahr über im Garten draußen verbringen. Bei Freilufthaltung benötigen sie freien Zugang zu einem beheizten, zugfreien Bereich mit einer Temperatur von mindestens 14 Grad Celsius.
Die Fellpflege des kurzen Fells eines Boerboels ist einfach: Bürsten Sie den Hund einmal wöchentlich mit einer speziellen Bürste für kurzhaarige Rassen oder einem Bürstenhandschuh. Während des Fellwechsels ist etwas häufigeres Bürsten nötig. Baden Sie Ihren Hund nach Bedarf. Schon im Welpenalter sollte der Hund an die Körperpflege gewöhnt werden, einschließlich der Reinigung von Ohren, Augen und Zähnen. Die Krallen des Boerboels werden normalerweise nicht geschnitten; sie nutzen sich auf natürliche Weise ab. Geschieht dies nicht, bekommt der Hund nicht genügend Bewegung.
Ernährung und Gesundheit
Der südafrikanische Boerboel kann sowohl mit natürlichem als auch mit industriell hergestelltem Futter ernährt werden. Natürliches Futter ist vorzuziehen, jedoch nur, wenn der Besitzer eine ausgewogene und gut zusammengestellte Ernährung mit 40–50 % Fleischanteil gewährleisten kann. Der Hund benötigt außerdem fermentierte Milchprodukte, Fisch, Eier, Getreide, Gemüse und Obst.
Bei Fertigfutter ist zu beachten, dass nur sehr hochwertiges Futter den Bedarf eines heranwachsenden Welpen decken kann; erwachsene Hunde können auf Premiumfutter umgestellt werden. Wichtig ist, dass junge Welpen, die mit Trockenfutter gefüttert werden, ihre Flüssigkeitsaufnahme nicht selbst regulieren können. Daher sollte Trockenfutter leicht angefeuchtet werden. Erwachsene Hunde sollten Futter mit der Kennzeichnung „Adult“ wählen, während übergewichtsgefährdete Hunde „Light“ bevorzugen. Die Sorten „Energy“ und „Active“ enthalten viel Protein, daher ist es ratsam, vorher einen Spezialisten zu konsultieren. Hunde mit Allergien sollten „Sensible“ oder „Hypoallergic“ wählen. Trockenfutter muss sorgfältig dosiert werden, da sich sein Volumen im Magen verfünffacht. Unabhängig von der Fütterungsmethode benötigen Boerboels Mineralstoffpräparate und Chondroprotektiva.
Erkrankungen des Bewegungsapparates (Hüft- und Ellenbogendysplasie, Meniskus- und Bänderrisse, Arthritis und Schleimbeutelentzündung) sind die häufigsten Beschwerden bei dieser Rasse. Allergien, Dysbakteriose und Ohrenentzündungen kommen ebenfalls häufig vor. Hündinnen leiden aufgrund schwacher Scheidenwände oft unter Scheidenvorfall.

Die Lebenserwartung beträgt 11-13 Jahre.
Für wen ist diese Rasse geeignet?
Der Boerboel ist eine Rasse, die eine ausgezeichnete Wahl für Hundebesitzer ist, die sich ein Haustier wünschen:
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große Größen;
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mit kurzem Haar, das nicht häufig gebürstet werden muss;
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sportlich und aktiv;
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mit einem ausgeprägten Instinkt des Wächters und Beschützers;
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spricht selten.
Die Rasse ist jedoch nicht geeignet für Personen, die:
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noch nicht bereit für lange Spaziergänge und aktive Aktivitäten mit dem Hund;
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plant, den Hund ganzjährig in einem Gehege ohne engen Kontakt zum Besitzer zu halten.
Ein Boerboel braucht einen Besitzer, der sich als souveräner Rudelführer etablieren kann. Dieser muss konsequent und ruhig sein und dafür sorgen, dass seine Forderungen erfüllt werden. Da diese Rasse zu Dominanz neigt, ist es wichtig, dem Hund schon früh zu zeigen, wer das Rudelführer ist; andernfalls könnte er anfangen, Kommandos zu ignorieren.
Boerboels sollten regelmäßig und ausgiebig ausgeführt werden. Um ihre körperliche Fitness und ihr ausgeglichenes Verhalten zu erhalten, sollten Besitzer täglich mindestens 1,5 Stunden für Spaziergänge einplanen und diese mit sportlicher Betätigung kombinieren.
Ein Boerboel kann von einer Einzelperson oder einer Familie gehalten werden. Der Hund ist allen Familienmitgliedern gleichermaßen treu ergeben und besonders kinderlieb.
Auswahl eines Boerboel-Welpen und der Preis
Die Wahl eines Welpen ist eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe. Sie sollten Ihr Tier nur von registrierten Züchtern erwerben, die Ihnen zusammen mit dem Welpen eine RKF-Welpenkarte aushändigen, welche gegen einen RKF-Stammbaum eingetauscht werden kann.
Untersuchen Sie die Elterntiere genau, machen Sie sich mit dem Stammbaum vertraut und beurteilen Sie den Welpen natürlich objektiv. Die Zähne eines zweimonatigen Welpen verändern sich noch, aber der Biss sollte bereits scherenförmig sein. Wenn die Unterlippe die Oberlippe bedeckt, besteht die Gefahr, dass sich später ein Vorbiss entwickelt. Achten Sie auf den Rutenansatz; er sollte weder krumm noch eingerollt sein. Es ist außerdem wichtig, dass der Welpe gut proportioniert ist, eine kräftige Muskulatur hat und keine Anzeichen von gesundheitlichen Problemen zeigt. Bei Rüden sollten beide Hoden im Hodensack liegen. Farbe und andere grundlegende Merkmale sollten dem Rassestandard entsprechen.
Vor dem Kauf eines Welpen ist es wichtig, die Arbeitsweise des Züchters ausführlich zu besprechen und keine Scheu vor Fragen zu haben. Sie sollten herausfinden, wie viele Welpen der Wurf war, was sie fressen, ob sie die notwendigen Impfungen und Parasitenbehandlungen erhalten haben, unter welchen Bedingungen die Welpen aufgezogen werden und wie sie von den ersten Lebenswochen an versorgt werden.
Achten Sie unbedingt auf den Zustand der Mutterhündin. Eine gesunde südafrikanische Boerboel-Hündin wirkt gepflegt, aufmerksam und selbstbewusst und sollte weder übermäßig dünn noch müde sein. Anzeichen von Erschöpfung, Apathie oder Aggression können auf gesundheitliche Probleme oder ungeeignete Haltungsbedingungen hindeuten. Die Welpen wiederum sollten aktiv und gut genährt sein, klare Augen und Ohren, ein glattes Fell und keine Anzeichen von Entzündungen oder Ausfluss haben.
Ein verantwortungsvoller Züchter übergibt den Welpen nicht einfach, sondern hält stets Kontakt zum neuen Besitzer. Er steht bereit, Ratschläge zu Fütterung, Pflege und Erziehung zu geben, empfiehlt vertrauenswürdige Hundetrainer und Tierärzte und hilft in schwierigen Situationen. Diese Art von Unterstützung ist ein deutliches Zeichen für Professionalität und Gewissenhaftigkeit.
Züchter, denen das Wohl ihrer Welpen wirklich am Herzen liegt, erkundigen sich nach deren zukünftigen Lebensbedingungen. Sie fragen nach der Größe des Hauses, ob ein Garten vorhanden ist, nach der Familienzusammensetzung, ob Kinder und andere Haustiere leben und ob die Familie Erfahrung mit Hunden hat. Dieses Vorgehen zeigt ihr Engagement, sicherzustellen, dass der Welpe in eine geeignete und verantwortungsbewusste Familie kommt.
Der Preis für einen südafrikanischen Boerboel-Welpen variiert zwischen 200 und 750 US-Dollar.
Fotos
Fotos des südafrikanischen Boerboel:









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