Vestibuläres Syndrom beim Hund: Symptome und Behandlung

Eine pathologische Störung des Nervensystems bei Hunden, die mit einer Funktionsstörung des Gleichgewichtssystems und einer beeinträchtigten motorischen Koordination einhergeht, wird als Vestibularsyndrom bezeichnet. Die Früherkennung der Symptome ermöglicht eine rechtzeitige Behandlung und verhindert das Fortschreiten der Erkrankung, die insbesondere für ältere Tiere gefährlich ist.

Formen der Krankheit

Das Vestibularsystem besteht aus mehreren Strukturen im Mittel- und Innenohr sowie im Gehirn, die gemeinsam die Körperhaltung und die allgemeine Körperausrichtung aufrechterhalten. Je nach Lage der Läsion unterscheiden Tierärzte üblicherweise zwei Arten der Erkrankung:

  1. Das periphere Vestibularsyndrom ist eine relativ seltene Form, die mit einer Schädigung des peripheren Nervensystems und einer Funktionsstörung des Innenohrs einhergeht.
  2. Das zentrale Vestibularsyndrom ist eine schwerwiegendere Pathologie des zentralen Nervensystems, bei der Funktionsstörungen des Vestibularapparates selbst und anderer Systeme auftreten, die mit Behinderungen des Tieres und sogar mit dem Tod einhergehen.

Darüber hinaus gibt es entzündliche, traumatische, toxische, metabolische und idiopathische Formen der Erkrankung. Letztere können angeboren oder altersbedingt sein und ohne erkennbare Ursache auftreten. Weitere Bezeichnungen richten sich nach den Ursachen der jeweiligen Störung.

Auslöser

Zu den Ursachen, die die Entwicklung eines Vestibularsyndroms bei Hunden auslösen können, gehören:

  • vorangegangene schwere traumatische Hirnverletzungen;
  • Entzündung des Mittel- oder Innenohrs;
  • Störungen der Hormonsynthese (Thiaminmangel);
  • unkontrollierter Einsatz von Antibiotika auf Aminoglykosidbasis (Amikacin, Neomycin, Geomycin, die manche Hundehalter aufgrund ihres niedrigen Preises zur Selbstmedikation verwenden);
  • Meningoenzephalitis;
  • Neubildungen des Innenohrs (Zysten, Polypen, Tumore);
  • übermäßiger Gebrauch von Ohrreinigungsmitteln;
  • Autoimmunprozesse, bei denen der Körper sein eigenes Nervengewebe „angreift“.

Achtung! Die Krankheit kann bei Hunden jeden Geschlechts, Alters und jeder Rasse auftreten. Am häufigsten wird sie jedoch bei Dobermännern, Cocker Spaniels, Beagles, Deutschen Schäferhunden, Foxterriern und Tibet-Terriern diagnostiziert.

Vestibuläres Syndrom bei Hunden

Krankheitssymptome

Die Symptome des peripheren und zentralen Vestibularsyndroms sind identisch. Die charakteristischen Merkmale sind:

  • beeinträchtigte Bewegungskoordination (Desorientierung, Stolpern und Stürzen auf ebener Fläche, Taumeln auf dem Boden, unkontrollierbares Gehen im Kreis)
  • eine unerklärliche, sichtbare Neigung des Kopfes in Richtung der Läsion (wenn sich die Pathologie auf einer Seite entwickelt);
  • Augenzucken (vertikaler Nystagmus).

Wichtig! Hundehalter interpretieren manche dieser Verhaltensweisen fälschlicherweise als Spielaufforderung und zögern daher, ihren Hund zu untersuchen. Dies ist ein schwerwiegender Irrtum, der dem Tier das Leben kosten kann.

Weitere Symptome können sein:

  • Schwindel, der bei älteren Tieren besonders stark ausgeprägt ist, die nur mit großer Mühe aufstehen können oder dazu gar nicht in der Lage sind;
  • teilweiser Hörverlust (keine Reaktion auf Befehle);
  • das Auftreten von Krämpfen, starkem Speichelfluss und Erbrechen;
  • Gesichtsmuskellähmung;
  • Mangelndes Interesse an Nahrung, Selbstverteidigung (in fortgeschrittenen Stadien).

Ein Tierarzt untersucht einen Hund

Methoden der Diagnose und Behandlung

Beim Auftreten erster Symptome ist es wichtig, Ihr Haustier einem qualifizierten Tierarzt vorzustellen. Für eine korrekte Diagnose sind die Krankengeschichte des Hundes und eine Reihe von diagnostischen Tests erforderlich.

  • Urin- und Bluttests;
  • Röntgendiagnostik zur Beurteilung des Zustands des Mittel- und Innenohrs;
  • MRT und CT zur Untersuchung struktureller Veränderungen im Gehirn;
  • Tests zur Bestimmung der Reaktion des Nervensystems auf Reize;
  • Ohrschaben;
  • Ultraschalldiagnostik innerer Organe;

Die Behandlung des Vestibularsyndroms richtet sich nach den zugrunde liegenden Ursachen. Eine spezifische Therapie für die idiopathische Form (angeboren oder altersbedingt) existiert noch nicht. Ein Tierarzt kann lediglich Medikamente zur Linderung der Beschwerden verschreiben. Die Symptome klingen oft innerhalb von 72 Stunden nach Beginn ab, und innerhalb einer Woche kann sich der Hund wieder selbstständig bewegen. Ein erneutes Auftreten ist jedoch möglich.

Vestibuläres Syndrom bei Hunden

Je nach anderen Ursachen können folgende Behandlungsoptionen zum Einsatz kommen:

  • Bei Entzündungsprozessen im Zusammenhang mit Infektionen werden Breitbandantibiotika eingesetzt.

Wichtig! Wenn Ihr Hund an einer Mittelohrentzündung leidet, dürfen keine ototoxischen Medikamente, die Aminoglykoside enthalten (Antibiotika, Chlorhexidin), angewendet werden.

  • Werden onkologische Erkrankungen festgestellt, wird ein chirurgischer Eingriff oder eine Chemotherapie verordnet.
  • Im Falle von endokrinen Störungen (Hypothyreose etc.) wird eine Substitutionstherapie angewendet.
  • Physiotherapeutische Maßnahmen werden als zusätzliche unterstützende Maßnahme eingesetzt.

Eine rechtzeitige Diagnose und angemessene Behandlung können den Zustand eines Hundes innerhalb von 2–3 Tagen stabilisieren und die Kopfschiefhaltung innerhalb von 14 Tagen deutlich verbessern. Um einen Rückfall zu vermeiden, sollte die Behandlung nicht bei der ersten sichtbaren Besserung abgebrochen werden. Ausmaß und Dauer der Genesung können von mehreren Wochen bis zu mehreren Monaten variieren, und manche Tiere behalten eine leichte Kopfschiefhaltung lebenslang.

Erholungsprognose

Eine positive Prognose für eine vollständige Genesung besteht nur für junge Welpen mit einem noch nicht vollständig entwickelten Gleichgewichtssystem, die sich noch an das Leben anpassen können. Bei erwachsenen Hunden bleiben die Folgen der Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit lebenslang bestehen und erfordern vom Besitzer ständige Pflege, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, wenn der Hund die meiste Zeit bewegungsunfähig ist. In den schwersten Fällen (vor allem bei der zentralen Form der Erkrankung), wenn das Tier praktisch zu einem „Wachstumszustand“ geworden ist, wird der Tierarzt die Möglichkeit einer Behandlung und gegebenenfalls die Euthanasie als Mittel zur Beendigung des Lebens empfehlen.

Hund im Laub

Präventive Maßnahmen

Eine ausgewogene Ernährung, artgerechte Pflege und die sorgfältige Beobachtung selbst kleinster Verhaltensänderungen schützen Ihr Haustier vor dieser gefährlichen Krankheit. Darüber hinaus ist es wichtig, alle Erkrankungen, insbesondere Mittelohrentzündungen und Nervenentzündungen, unter tierärztlicher Aufsicht vollständig behandeln zu lassen, da diese zu schwerwiegenden Komplikationen führen können.

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