Der Aufbau eines Katzenauges

Kein anderes Haustier hat im Verhältnis zur Kopfgröße so große Augen wie die Katze. Würde man diese Proportionen auf den menschlichen Körper übertragen, ergäbe sich ein Augendurchmesser von 20 cm. Trotz dieser bemerkenswerten Dimensionen ähnelt der Aufbau des Katzenauges in vielerlei Hinsicht dem des Menschen, mit einigen Ausnahmen, die für Tierhalter von Interesse sein können.

Katzenauge

Der Aufbau der Sehorgane

Das Katzenauge besteht aus drei Schichten, von denen jede eine spezifische Funktion bei der Wahrnehmung von Licht – dem sichtbaren Anteil der elektromagnetischen Strahlung – erfüllt. Eine schematische Darstellung seines Aufbaus ist im Foto zu sehen.

Der Aufbau eines Katzenauges

  • Die Bindegewebsschicht des Auges besteht aus Kollagenfasern und dem Protein Elastin. Sie setzt sich aus der Lederhaut (Sklera), die drei Viertel der Augenoberfläche bedeckt, und der vorderen, sichtbaren Schicht, der transparenten Hornhaut (Cornea), zusammen, die das verbleibende Viertel bedeckt. Die Hornhaut empfängt das Licht und leitet es zur Verarbeitung ins Auge weiter.
  • Die Aderhaut ist die mittlere Schicht, die mikroskopisch kleine Blutgefäße enthält, welche das Augengewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Vor dieser Schicht befindet sich der Ziliarkörper, dessen Muskeln die Linse in Position halten und ihre Form je nach Entfernung zum betrachteten Objekt anpassen, wodurch scharfes Sehen ermöglicht wird (ein Vorgang, der als Akkommodation bezeichnet wird).

Vor dem Ziliarkörper befindet sich die Iris, der farbige Teil des Auges, der es in eine äußere und eine innere Augenkammer unterteilt. Ihre Farbe hängt vom Vorhandensein von Pigmenten ab und ist zwischen dem ersten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr vollständig ausgebildet. In der Mitte der Iris liegt die schwarze Pupille, deren Größe sich mit den Lichtverhältnissen ändert, um die einfallende Lichtmenge zu regulieren: Sie verengt sich bei hellem Licht und weitet sich bei schwachem Licht, um möglichst viel Licht ins Auge zu lassen.

Foto eines Katzenauges

  • Die Netzhaut ist die innerste Schicht des Auges und besteht aus lichtempfindlichen Zellen, die Licht in Nervenimpulse umwandeln, welche über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet werden. Katzen besitzen, wie Menschen, zwei Arten von Fotorezeptoren:
  1. Stäbchen – sie empfangen das Licht, leiten es durch sich hindurch und bilden so das Sehvermögen;
  2. Zapfen – verantwortlich für Bildschärfe, die Fähigkeit, kleine Details zu erkennen, und die Farbwahrnehmung.

Das Überwiegen der Stäbchenzellen in der Netzhaut ist verantwortlich für das im Vergleich zum Menschen überlegene Sehvermögen der Katze bei schwachem Licht, was für sie als nachtaktive Tiere lebenswichtig ist. In anderen Aspekten sind der Aufbau der Augen sowie ihre Funktionsmechanismen nahezu identisch.

Nahe des Eintritts des Sehnervs aus der Netzhaut befindet sich ein lichtunempfindlicher Bereich – der sogenannte blinde Fleck. Hier fehlen jegliche lichtempfindliche Rezeptoren, sodass Informationen aus der Umgebung nicht wahrgenommen werden. Unmittelbar dahinter liegt jedoch der Gelbkörper, ein scheibenförmiger Bereich mit optimalem Sehvermögen, in dem das gesamte einfallende Licht gebündelt wird. Tiere drehen daher ihren Kopf, um sicherzustellen, dass die Lichtstrahlen genau auf diesen Bereich der Netzhaut treffen.

Eine Katze mit blauen Augen

Funktionsweise

Beim Auftreffen auf das Auge durchdringen die Lichtstrahlen die transparente Hornhaut und gelangen zur Linse und zum Glaskörper, wo sie sich in einem Punkt auf der Netzhaut bündeln. Aufgrund der Lichtbrechung wird das Bild seitenverkehrt reflektiert. Von der Netzhaut werden die Informationen über die Sehnerven an das Gehirn weitergeleitet, wo sie in ein aufrechtes Bild umgewandelt werden. Da sich die Signalwege des linken und rechten Auges kreuzen, empfängt jede Hemisphäre Daten von beiden Augen. Diese Informationen werden anschließend verarbeitet und kombiniert, wodurch ein dreidimensionales Bild der Objekte in unserer Umgebung entsteht.

Lesen Sie auf unserer Website mehr über Augenkrankheiten bei Katzen, wie zum Beispiel: Katarakt, Glaukom, Panophthalmitis, HornhautgeschwürDie

Ein weiteres charakteristisches Merkmal des Katzenauges ist das Tapetum lucidum. Dabei handelt es sich um eine spezielle Zellschicht im hinteren Teil des Augapfels, die Licht, das von den Fotorezeptoren nicht absorbiert wird, zurück auf die Netzhaut reflektiert. Dank dieses natürlichen „Spiegels“ leuchten Katzenaugen im Dunkeln, wenn sie einfallendes Licht reflektieren (sie sind aber nicht dessen Quelle).

Interessant! Die meisten Katzen haben grüne Augen, aber es gibt Ausnahmen: Besitzer von Siamkatzen beispielsweise können einen gelblichen Schimmer in den Augen feststellen, und aufgrund unterschiedlicher Pigmentierungsgrade können sogar zwei Katzen derselben Rasse unterschiedlich farbige Augen haben.

Die Behauptung, Katzen könnten in einem dunklen Raum gut sehen, ist falsch: In völliger Dunkelheit sind sie unsichtbar. Ihr Sehvermögen im Dunkeln hängt von selbst kleinsten Lichtreflexen ab. Sobald diese die Netzhaut erreichen, werden sie durch die reflektierende Schicht verstärkt, was ihnen in dieser Situation ein ausgezeichnetes Sehvermögen ermöglicht.

Schwarze Katze im Dunkeln

Ein frühzeitiger Sehverlust bei Tieren führt zu einer Verringerung der Anzahl der für das Sehen zuständigen Neuronen im Gehirn, während die Anzahl der Neuronen, die auf Licht- und Berührungsreize reagieren, zunimmt. Die gesteigerte Wahrnehmung anderer Sinne kompensiert den Sehverlust so gut, dass blinde Tiere sich im Verhalten kaum von ihren gesunden Artgenossen unterscheiden. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Besitzer Freude, Trauer und all die anderen Nuancen von Stimmung und Emotionen in den Augen ihres Tieres nicht mehr erkennen können.

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