Bernhardiner (Hunderasse)

Gibt es jemanden, der noch nie vom Bernhardiner gehört oder gelesen hat? Diese großen Retter, oft mit Weinfässern um den Hals, suchen nach Lawinenopfern. Die Popularität der Rasse erreichte Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre nach dem Erscheinen des Films „Beethoven“ ihren Höhepunkt. Seitdem ist sie jedoch zurückgegangen. Heute sieht man Bernhardiner immer seltener, selbst auf Hundeausstellungen. Meist halten die Menschen kleine Hunde für Wohnungen, während in Privathäusern Wachhunde benötigt werden, die Fremden gegenüber misstrauisch und furchtlos sind – Eigenschaften, die Bernhardiner nicht besitzen.

Foto einer Bernhardiner-Hunderasse

Ursprungsgeschichte

Bernhardiner stammen höchstwahrscheinlich von asiatischen Molosserhunden ab, die von römischen Legionen nach Helvetien (der heutigen Schweiz) gebracht wurden, sowie von einheimischen Hunden. Im 11. Jahrhundert errichteten Mönche unter der Leitung von Erzdiakon Bernhard von Menthon am Großen St. Bernhard-Pass eine Herberge für Pilger und Reisende. Um das 12. Jahrhundert beschlossen sie aufgrund zahlreicher Todesfälle durch Schnee und Lawinen, die zuvor als Wächter im Kloster gedient hatten, für Such- und Rettungsaktionen einzusetzen.

Zahlreiche schriftliche Berichte über Rettungsaktionen sowie mündliche Erzählungen und Geschichten französischer Soldaten, die im 19. Jahrhundert den Pass überquerten, verbreiteten sich in der Region und machten zweifarbige Rettungshunde unglaublich populär. Menschen aus ganz Europa strömten in die Schweiz, um solche Hunde zu finden. Einheimische nutzten diese Begeisterung und verkauften alle zweifarbigen Hunde, unabhängig von ihrer Herkunft, als Rettungshunde.

Ein legendärer Vertreter seiner Rasse ist der Hund Barry. Während seiner zwölf Dienstjahre rettete er rund 40 Menschen. Am bekanntesten ist seine Rettung eines Jungen, den er fünf Kilometer durch tiefen Schnee zu einem Kloster trug. Noch Jahrzehnte nach seinem Tod wurden in manchen Gegenden der Schweiz alle Rettungshunde als „Barry-Hunde“ bezeichnet.

Im frühen und mittleren 19. Jahrhundert konnten viele Mönchshunde die kalten Winter nicht überstehen und starben an Krankheiten, die durch Inzucht verursacht wurden. Die Mönche beschlossen daher, neue Blutlinien in die Rasse einzuführen, insbesondere NeufundlandDurch diese Kreuzung entstanden die ersten langhaarigen Bernhardiner. Die Mönche behielten die kurzhaarigen Hunde weiterhin für sich, während die langhaarigen verschenkt oder verkauft wurden.

Bernhardiner waren weltweit unter verschiedenen Namen bekannt: In England nannte man sie „heilige Hunde“, in Deutschland „Alpenhunde vom Heiligen Bernhard“. Der Schriftsteller Daniel Wilson bezeichnete sie erstmals als „St. Bernhards“. Dieser Name wurde 1880 offiziell eingeführt. Seit 1884 wird das „Schweizerische Zuchtbuch“ geführt, dessen erster Eintrag ein Bernhardiner namens Leon ist. Auch die folgenden 28 Einträge waren Bernhardinern gewidmet. Im selben Jahr wurde der erste Schweizer Zuchtverein gegründet, und zwei Jahre später erkannte der Internationale Kynologische Kongress die Rasse an und veröffentlichte ihren Standard. Seitdem ist der Bernhardiner offiziell die Nationalrasse der Schweiz.

Video über die Hunderasse Bernhardiner:

Bernhardiner in Literatur und Film

Bernhardiner sind in vielen literarischen Werken und Filmen zu Helden geworden. Dies verdanken sie ihrer hervorragenden Trainierbarkeit, ihrem Ruf als erstklassige Rettungshunde, ihrem gutmütigen Wesen und ihrem attraktiven Aussehen.

Der Bernhardiner in der Literatur:

  • Cujo ist die Hauptfigur in dem Roman Cujo von Stephen King.
  • Lel ist ein Bernhardiner in der Erzählung „Das Hotel beim toten Bergsteiger“ der Brüder Strugatzki;
  • Boatswain ist ein Bernhardinerhund, der einer der Hauptfiguren in Astrid Lindgrens Geschichte „Auf der Insel Saltkrok“ gehört.
  • Buck (ein Bernhardiner-Collie-Mischling) ist die Hauptfigur in Jack Londons Novelle „Der Ruf der Wildnis“.

Bernhardiner im Film:

  • Beethoven ist die Hauptfigur im Film "Beethoven" (insgesamt wurden von 1992 bis 2014 8 Filme gedreht).
  • Felix ist die Hauptfigur im Film „Felix – Der beste Freund der Familie“ (1997).
  • Jack Londons Roman „Der Ruf der Wildnis“ wurde in mindestens acht Filmen adaptiert.
  • Bagheera ist die Heldin des Films „Wo bist du, Bagheera?“ (UdSSR, 1977).
  • Fik ist ein Bernhardinerwelpe in der tschechoslowakischen Zeichentrickserie "Maxipyos Fik".
  • Cujo ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans.

Aussehen

Der Bernhardiner ist ein großer, massiger Hund mit kräftigem, kompaktem Körperbau und einem charakteristischen zweifarbigen Fell. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 68–70 cm und bei Hündinnen 65–68 cm. Nach dem modernen Standard werden zwei Varietäten unterschieden: kurzhaarige und langhaarige. Die Hunde beider Rassen ähneln sich in allem außer der Länge des Deckhaars.

Wichtige Teile der Verfassung:

  • Das Verhältnis von Körperhöhe zu Körperlänge beträgt 9:10;
  • Die Gesamtlänge des Kopfes beträgt etwas mehr als 1/3 der Höhe;
  • Die Schnauzenlänge beträgt etwas mehr als ein Drittel der Kopflänge.

Der Schädel ist kräftig und breit. Die Stirn geht fließend in die Schnauze über. Die Augenbrauenbögen sind gut entwickelt, und die Furche zwischen den Augen ist deutlich ausgeprägt. Die Haut auf der Stirn bildet kleine Falten. Insgesamt ist der Kopf massiv und ausdrucksstark. Die Schnauze ist gleichmäßig breit mit einem geraden Nasenrücken, der eine kleine Furche aufweist. Die Lefzen sind gut entwickelt, elastisch und hängend. Der Mundwinkel ist stets sichtbar. Die Kiefer sind massiv und gleich lang. Das Gebiss ist scheren- oder zangenförmig. Die Nase ist kantig mit weit geöffneten Nasenlöchern und schwarz. Die Augen sind mittelgroß, dunkelbraun und mäßig tief liegend. Die Ohren sind mittelgroß, hoch angesetzt und dreieckig mit abgerundeter Spitze. Ihre Vorderkante liegt nah an den Jochbeinen.

Der Hals ist recht lang und kräftig, mit einer mäßig ausgeprägten Wamme. Der Körper ist kräftig, harmonisch und muskulös. Der Widerrist ist deutlich ausgeprägt. Der Rücken ist gerade. Die Kruppe ist leicht abfallend und geht harmonisch in den Rutenansatz über. Die Rute ist kräftig und schwer. In Ruhe hängt sie herab. Die Unterlinie ist leicht aufgezogen. Die Brust ist mäßig tief und tonnenförmig. Die Gliedmaßen sind gerade und parallel.

Das Fell ist zweifarbig. Die Grundfarbe ist Weiß mit vereinzelten roten oder braunen Flecken. Eine dunkle Maske und eine leichte Verdunkelung der Flecken am Körper sind zulässig. Das Fell ist doppelt.

  • Die kurzhaarige Variante hat ein dichtes, kurzes Deckhaar, das eng am Körper anliegt. Die Unterwolle ist üppig. Das Haar an Rute und Schenkeln ist etwas länger. Der Rassestandard für die kurzhaarige Variante wurde 1959 eingeführt.
  • Der langhaarige Typ hat ein gerades, langes Deckhaar. Die Unterwolle ist üppig. Fang und Ohren sind kurz, Hinterhand und Kruppe können leicht gewellt sein. Die Befederung ist an Vorder- und Hinterläufen deutlich sichtbar und bedeckt auch den Schwanz üppig.

Wie sieht ein Bernhardiner aus?

Charakter

Bernhardiner haben ein phlegmatisches Wesen. Sie behandeln ihre Besitzer gut, zeigen Zuneigung und Respekt und begegnen allen Familienmitgliedern mit Respekt. Sie vertragen sich problemlos mit anderen Tieren im Haushalt und versuchen, Konflikte zu vermeiden. Sie bevorzugen die Gesellschaft großer, hochgewachsener Hunde und begegnen kleineren Rassen mitunter mit leichter Geringschätzung. Bernhardiner streben nicht nach Dominanz, sind weder launisch noch listig, erinnern sich an Freundlichkeit und sind zu keinem Verrat fähig. Sie sind weder aggressiv noch stur. In den meisten Fällen beschränkt sich die Verteidigung ihres Territoriums auf Bellen und eine defensive Haltung.

Bernhardiner sind von Natur aus freundlich und hilfsbereit. Sie sind zwar nicht als Kinderfreunde geboren, aber jeder Hund kann mit dem richtigen Training lernen, angemessen mit Kindern umzugehen. Im Winter ist eine Schlittenfahrt mit einem Bernhardiner vor dem Schlitten ein Vergnügen für Kinder und Hund. Diese Hunde sehen ihre Hauptaufgabe darin, anderen zu helfen.

Zweck

Diese Hunde sind leicht zu trainieren und zu erziehen. Bernhardiner haben sich als hervorragende Rettungs-, Begleit- und Assistenzhunde bewährt. Rettungs-Bernhardiner sind auf Skipisten beliebt und werden zur Suche nach verschütteten Bergsteigern und Skifahrern eingesetzt. Neben ihrem ausgeprägten Geruchssinn und ihrer Orientierungsfähigkeit besitzen Bernhardiner eine unvergleichliche Intuition, die sie vor drohenden Lawinen warnt.

Ausbildung und Weiterbildung

Die ersten Schritte in der Erziehung eines Bernhardiners sollten im Welpenalter erfolgen. Tiere langweilen sich zwar schnell beim Training, aber ihre Liebe zum Besitzer und ihr Wunsch, ihm zu gefallen, treiben sie dazu an, neue Befehle zu befolgen. Bernhardiner lassen sich zwar gut allgemein trainieren, diese Rasse ist jedoch nicht für die Ausbildung in geschlossenen Zwingern geeignet.

Je früher ein Bernhardiner sozialisiert wird, desto besser. Wenn man ihm erst später gute Manieren beibringt, kann er einschüchternd wirken. Und wer mag schon ein 90 Kilo schweres Tier, das auf einen zustürmt, selbst wenn es freundlich gemeint ist? Ein gut erzogener Bernhardiner wird durch seine Freundlichkeit und Sanftmut die Liebe und Bewunderung aller in seiner Umgebung gewinnen.

Es herrscht die Annahme, dass Bernhardiner kein Training benötigen, da ihr Rettungsinstinkt angeboren sei. Das stimmt so nicht. Zwar ist der Instinkt vorhanden, er dient aber lediglich als Grundlage ihrer Arbeit.

Ein Bernhardiner ist von Natur aus darauf bedacht, seinem Besitzer zu gefallen und reagiert sehr verärgert auf Unzufriedenheit. Verzichten Sie daher beim Training auf Bestrafung und setzen Sie stattdessen auf positive Verstärkung. Ihre ruhige, freundliche und konsequente Art reicht völlig aus, damit Ihr Hund gehorcht. Wenn Sie Ihrem Bernhardiner zeigen, dass Training Spaß machen kann und Sie es wertschätzen, wird er lernwilliger sein. Dadurch wird das Training einfacher und entspannter.

Bernhardinerhund

Merkmale der Pflege und Wartung

Aufgrund ihrer Größe sind sie in einer Wohnung schwer zu halten. Ein freistehendes Haus mit einem geräumigen Garten und der Möglichkeit zu langen Spaziergängen ist ideal. Auch kurzhaarige Hunde haben keine Angst vor Schnee und Frost. Bernhardiner begleiten ihre Besitzer bereitwillig auf allen Wegen und gehorchen ihnen bedingungslos.

Ein Bernhardiner muss nur ein- bis zweimal pro Woche gebürstet werden. Während des Fellwechsels ist tägliches Bürsten mit speziellen Bürsten erforderlich. Damit der Welpe das Bürsten nicht ablehnt, ist es wichtig, ihn schon früh daran zu gewöhnen. Seine Haut ist ölig und wasserabweisend. Daher ist es nicht empfehlenswert, Bernhardiner zu oft zu baden, da dies ihren natürlichen Schutz beeinträchtigt. Alle Bernhardiner sind ausnahmslos durch vermehrten Speichelfluss gekennzeichnet. Gemütliche Spaziergänge im Wald sind ideal, um die körperliche Verfassung von Bernhardinern zu erhalten. Regelmäßige Spaziergänge können außerdem dazu beitragen, verschiedenen Erkrankungen des Bewegungsapparates vorzubeugen.

Diät

Ein Bernhardiner braucht keine Unmengen an Futter. Der Magen eines gesunden, ausgewachsenen Hundes fasst maximal zwei Liter. Seine Ernährung sollte sehr nährstoffreich sein: fleischbasierte Kost oder hochwertiges Trockenfutter. Eine natürliche Ernährung umfasst Getreide, Fleisch- und Fischgerichte sowie Gemüse. Es ist wichtig, auf die Portionsgröße zu achten und Überfütterung zu vermeiden, da Hunde sonst zu Übergewicht und Verdauungsproblemen neigen. Wenn Sie nicht wissen oder nicht selbst Hundefutter zubereiten möchten, ist Trockenfutter eine gute Alternative. Achten Sie am besten auf hochwertiges Futter und spezielle Diäten für große und sehr große Rassen. Die Futtermenge richtet sich nach dem Gewicht. Ein Hund mit einem Gewicht von 80–90 kg sollte beispielsweise weniger als 1 kg Trockenfutter pro Tag fressen.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Ernährung während der Phase des aktiven Wachstums des Welpen gelegt werden, da sich in dieser Zeit das Muskel-Skelett-System und die eigene Immunität intensiv entwickeln.

Fütterungsstandards:

  • Junge Bernhardinerwelpen werden sechsmal täglich gefüttert. In diesem Alter benötigen sie Hüttenkäse und Milch. Später sollten diese durch fermentierte Milchprodukte ersetzt werden.
  • Drei Monate alte Welpen werden 4 Mal täglich gefüttert.
  • Sobald die Hunde ein Alter von 5 Monaten erreichen, werden sie auf drei Mahlzeiten am Tag umgestellt.
  • Ein Bernhardiner, der das Alter von 7 Monaten erreicht hat, wird zweimal täglich auf Erwachsenenfutter umgestellt.

Gesundheit und Lebenserwartung

Wie viele andere große und riesige Hunderassen sind Bernhardiner nicht für ihre robuste Gesundheit bekannt, insbesondere nicht im Hinblick auf ihren Bewegungsapparat und ihr Herz-Kreislauf-System. Die Lebenserwartung beträgt selten mehr als 11-12 Jahre.Bernhardiner haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 8 Jahren. Darüber hinaus neigen sie häufig zu entzündlichen Augenerkrankungen und sind anfällig für Entropium. Vertreter dieser Rasse haben zudem eine Veranlagung zu Dermatitis und Magendrehung.

Bernhardinerwelpen

Auswahl und Preisgestaltung eines Bernhardinerwelpen

Warum variieren die Welpenpreise so stark? Lohnt es sich, für Papiere extra zu bezahlen, und worauf sollte man bei der Auswahl eines guten Welpen achten? Dies sind die Fragen, die sich potenzielle Käufer am häufigsten stellen.

Greifen Sie nicht gleich zum ersten Welpen, den Sie in einer Online-Anzeige finden. Es ist wichtig, sich Zeit für die Recherche nach Züchtern und Vertretern der Rasse zu nehmen. Die Hunde unterscheiden sich stark in Körperbau, Fell und Farbe. Nur ein erfahrener Züchter kann vorhersagen, ob die Welpen lang- oder kurzhaarig werden. Auch das Temperament der Hunde kann von ruhig bis aktiv reichen.

Halten Sie Kontakt zu dem Züchter, von dem Sie Ihren Bernhardinerwelpen gekauft haben. Ein guter Züchter erkundigt sich gerne nach der Entwicklung des Welpen und kann Ihnen bei Bedarf wertvolle Tipps zu Erziehung und Pflege geben.

Ein paar Worte zum Thema Abstammung sind angebracht. Immer mehr Menschen kaufen Hunde „für sich selbst“ und vernachlässigen dabei Charakter und Gesundheit – genau das, was eine Abstammung garantiert. Hündinnen, die „auf Gesundheit“ gezüchtet werden, oder Rüden, die „zum Vergnügen“ gezüchtet werden, können zahlreiche Erbkrankheiten und ein schlechtes Temperament aufweisen, was ihren Besitzern meist entgeht. Welpen werden zu einem niedrigeren Preis verkauft, was genau dem entspricht, was der Durchschnittskäufer wünscht.

Die Preise für Welpen variieren stark. Der Durchschnittspreis für einen Welpen aus einer Zuchtstätte liegt bei 30.000 Rubel. Hunde ohne Stammbaum kosten üblicherweise zwischen 10.000 und 15.000 Rubel.

Fotos

Fotos von Bernhardinerhunden:

 

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