Warum reagieren Katzen auf „Kätzchen“?

Wissenschaftler führen die Reaktion von Katzen auf das bekannte russische „Kätzchen-Kätzchen“ auf tief verwurzelte Gewohnheiten und die Besonderheiten ihrer Hörwahrnehmung zurück. Mit der Zeit verbinden Haustiere positive Assoziationen mit dem Geräusch, da es oft mit Zuneigung, Fütterung oder Aufmerksamkeit des Besitzers einhergeht.

Darüber hinaus reagieren Katzen besonders empfindlich auf hohe Frequenzen, die natürlichen Geräuschen in ihrer Umgebung ähneln. Deshalb zieht das „Kätzchen-Kätzchen“ ihre Aufmerksamkeit auf sich. In anderen Ländern entwickeln Katzen einen ähnlichen Reflex, allerdings auf andere, in der jeweiligen Kultur übliche Klangkombinationen.

Gängige Hypothesen

Zur Erklärung, warum Katzen oft nicht auf ihren eigenen Namen reagieren, sondern fast immer nur „ksksks“ von sich geben, bieten Wissenschaftler mehrere Theorien an:

  1. Praktische Erfahrung. Das Geräusch weckt angenehme Erinnerungen – etwa an ein Leckerli oder Streicheleinheiten vom Besitzer. Deshalb eilt das Haustier beim Hören von „Kätzchen“ sofort los, um ein Leckerli oder weitere Streicheleinheiten zu ergattern.
  2. Gefahr. Der Ruf enthält pfeifende Laute und ähnelt dem Fauchen einer Katzenmutter, wenn ihr Junges in Gefahr ist. In diesem Fall werden Erinnerungen geweckt, und das Tier sucht Schutz bei seinem Besitzer.
  3. Ähnlichkeit mit Naturgeräuschen. Die von Menschen erzeugten Laute ähneln denen in der Natur – dem Piepsen von Nagetieren, dem Pfeifen von Vögeln, dem Rascheln von Blättern. Wenn eine Katze von ihrem Besitzer gerufen wird, erwacht ihr Jagdinstinkt oder ihre Verspieltheit.

Eine positive Reaktion auf diesen Satz entwickelt sich nur bei Hauskatzen. Eine streunende Katze würde durch einen solchen Ruf eher erschreckt als angelockt werden.

Katze

Die Reaktion einer Katze auf „Kätzchen“ ist eine erlernte Fähigkeit, die nach dem klassischen Trainingsprinzip von Kommando und Belohnung entwickelt wird. Am einfachsten lässt sich einem Kätzchen beibringen, auf ein Lautsignal zu reagieren, da es schnell die Verbindung zwischen dem Geräusch und der darauffolgenden Belohnung lernt. In den meisten Fällen erhält das Tier nach den vertrauten Worten Futter oder Streicheleinheiten, was die gewünschte Reaktion verstärkt.

Erfahrene Katzenbesitzer, die Diebstahl ihrer Haustiere befürchten, greifen oft auf ungewöhnliche Kommandos zurück. Katzen lassen sich zwar auf nahezu jedes Kommando trainieren, doch in der Praxis ist die einfache Umsetzbarkeit entscheidend. Sie werden mir sicher zustimmen, dass es wenig praktikabel ist, Ihr Haustier mit Sätzen wie „Viktor Pawlowitsch, komm fressen!“ zu rufen. Darüber hinaus hängen Geschwindigkeit und Erfolg des Trainings direkt von der Länge und Komplexität des Kommandos sowie von dessen Vorhandensein von Fauchen ab, das Katzen besonders gut wahrnehmen.

Warum reagieren Katzen auf „Kätzchen-Kätzchen“?

Die Tierverhaltensforscherin Katherine Pankratz vermutet einen physiologischen Grund für die bemerkenswerte Reaktion von Katzen auf Pfeifen und Zischen. Katzen haben einen Hörbereich von bis zu 85 kHz, während der Hörbereich des Menschen maximal 20 kHz beträgt. Dadurch können Katzen hohe, scharfe „S“-Laute sehr gut hören. Diese Fähigkeit ermöglicht ihnen die erfolgreiche Mäusejagd – ihre Ohren nehmen selbst die subtilsten Pfiffe wahr, die für Menschen unhörbar sind. Das Tier mag das Geräusch nicht unbedingt; es weckt lediglich seine Aufmerksamkeit.

Katzen besitzen ein hochentwickeltes Gehör; sie können viel mehr Klangkombinationen unterscheiden als ihre Besitzer. Katzen haben außerdem ein Richtungshörvermögen – sie können Umgebungsgeräusche filtern und die interessantesten und störendsten Geräusche herausfiltern, während sie Hintergrundgeräusche ausblenden. Jeder Katzenbesitzer kennt die Angewohnheit seines Haustiers, die Ohren in verschiedene Richtungen zu drehen. Oftmals sind sie sogar in entgegengesetzte Richtungen gerichtet, der Drehwinkel kann bis zu 180° betragen. In solchen Momenten wird die Aufmerksamkeit der Katze gleichzeitig auf zwei Geräusche gelenkt.

Ein ausgezeichnetes Gehör hilft Haustieren bei der Orientierung im Dunkeln. Dank 52.000 Nervenenden können Tiere die Quelle von Geräuschen leicht orten, indem sie Tonhöhe, Lautstärke und Entfernung analysieren.

Wie heißen Katzen in anderen Ländern?

Die Lautkombination „Kätzchen-Kätzchen“ ist in Russland, den GUS-Staaten, Deutschland und Schweden weit verbreitet. In anderen Ländern werden andere Lautkombinationen verwendet, die keine Fauch- oder Pfeifenlaute enthalten. Dies beweist, dass sich die Katze einfach an eine bestimmte Kombination gewöhnt – es entwickelt sich ein konditionierter Reflex in ihrem Körper, der es ihr ermöglicht, auf ihren Namen oder jede andere Lautfolge zu reagieren.

Welche Anrufe sind in anderen Ländern üblich?

  • In Israel ignoriert eine Katze das typisch russische „xxxx“, kommt aber sofort angerannt, wenn man ihr „Küsschen“ sagt.
  • In Polen und Tschechien ist es üblich, mit „Tschi-Tschi-Tschi“ zu rufen;
  • In den USA und Großbritannien ist die Lautkombination „kiri-kiri“ weit verbreitet;
  • In Frankreich verwenden Katzenbesitzer den Ausdruck „minu-minu“.
  • In Korea sind Katzen daran gewöhnt, das Wort „nabiya“ mit Betonung auf der letzten Silbe zu wiederholen;
  • In Japan heißt eine Katze "oyde-oyde";
  • In den Niederlanden kommt ein Tier bereitwillig auf einen zu, wenn man „Pus-Pus“ sagt;
  • In Italien wurde der übliche Ausruf „michu-michu“.
  • In Finnland wird es ähnlich wie das russische „kysu-kysu“ ausgesprochen;
  • In Serbien heißt das Haustier „machek“ oder „machka“ und wird „mats-mats“ genannt;
  • In Indien ahmen sie die für Katzen am besten verständliche Sprache nach, indem sie „Miau-Miau“ sagen.

Die originellste Art, Haustiere zu rufen, findet sich in arabischen Ländern. Dort spricht man die Lautkombination aus, die in Russland verwendet wird, um eine streunende Katze zu verscheuchen: „Schu-schu“.

Katzen haben ein unglaublich feines Gehör, verstehen aber die menschliche Sprache nicht. Daher können Sie Ihr Haustier an beliebige Buchstabenkombinationen gewöhnen. Führen Sie die Lautkombination einfach schon früh in die Kätzchen ein und entwickeln Sie so einen konditionierten Reflex, der auf angenehmen Erinnerungen an Spielen, Füttern oder Streicheln basiert. Diese Gewohnheit entsteht durch regelmäßiges Training, was von Tierhaltern oft übersehen wird.

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