Kamtschatka-Schlittenhund

Der Kamtschatka-Schlittenhund ist eine einheimische Rasse, die auf der Halbinsel seit Jahrhunderten zum Transport von Gütern und Personen eingesetzt wird. Kamtschatka-Schlittenhunde spielten eine wichtige Rolle bei Vitus Berings erster und zweiter Expedition. Ende des 20. Jahrhunderts waren sie fast vollständig ausgestorben. Heute wird die Rasse von Liebhabern wiederbelebt und im Schlittenhunderennen eingesetzt.

Kamtschatka-Hunderasse

Ursprungsgeschichte

Jahrhundertelang spielten Hunde eine entscheidende Rolle im Leben der Menschen in Kamtschatka. Sie waren die einzigen Jagd- und Transporttiere und bestimmten maßgeblich die Überlebens- und Siedlungsfähigkeit der Menschen.

Laut der Volkszählung von 1926 gab es in den Bezirken Kamtschatka und Anadyr 50.000 Schlittenhunde. In den Nachkriegsjahren wurden sie systematisch zur Schonung der Fischbestände dezimiert, doch ihre Zahl blieb bis in die 1950er und 1960er Jahre relativ hoch. Ende der 1980er Jahre gab es fast keine reinrassigen Kamtschatka-Hunde mehr. Viele wurden durch den technologischen Fortschritt verdrängt, die übrigen mit anderen Rassen gekreuzt.

Derzeit wird die Rasse dank der Arbeit der Kamtschatka-Musher, die jährlich an den Beringia-Hundeschlittenrennen teilnehmen, intensiv wiederbelebt.

1990 fand das erste Beringia-Rennen statt. Damals schrillten die Alarmglocken: In den Schlittenhundeteams befanden sich nur sehr wenige reinrassige Kamtschatka-Hunde. Meist handelte es sich um verschiedene Mischlinge. Bei den Rennen Beringia-91 und Beringia-92 war ein noch stärkerer Rückgang der Rasse zu verzeichnen. Daraufhin wurden die ersten ernsthaften Maßnahmen ergriffen. 1992 wurde ein Standard für die Diensthundezucht in der Russischen Föderation entwickelt und anerkannt. Zwinger wurden eröffnet, doch die Wiederbelebung des Kamtschatka-Schlittenhundes bleibt ein dringendes Problem. Manchmal muss sogar unter den einheimischen Rassen nach neuem Blut gesucht werden. Alaskan HuskiesDiese Hunde stammen laut einigen Quellen direkt von den Kamtschatka-Hunden ab. Die Rasse wurde zwar deutlich verbessert, doch gingen dabei viele charakteristische Merkmale verloren.

Aussehen

Kamtschatka-Schlittenhunde haben ein eher unscheinbares Erscheinungsbild. Obwohl es innerhalb der Rasse keine eindeutige Einheitlichkeit gibt, lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen. Der Geschlechtsdimorphismus ist mäßig ausgeprägt.

  • Widerristhöhe bei männlichen Tieren: 56-68 cm;
  • Die Widerristhöhe der Hündinnen beträgt 54-64 cm;
  • Gewicht: ca. 30 kg.

Der Kopf ist wolfsähnlich. Der Stop ist deutlich ausgeprägt. Die Schnauze ist massiv, die Augen sind schräg eingesetzt, klein und meist dunkelbraun, hellere Farben sind aber ebenfalls möglich. Die Ohren sind aufrecht und spitz. Die Lefzen liegen eng am Kiefer an. Die Zähne sind kräftig.

Echte Kamtschatka-Schlittenhunde gelten als mäßig langgestreckt. „Quadratische“ Schlittenhunde sind zwar schneller, aber weniger ausdauernd. Ein kräftiger Brustkorb, starke Vorderläufe, gut entwickelte Muskulatur und ausgeprägte Sehnen sind wünschenswert. Der Schwanz ist lang und gut angesetzt. Die Zehen sind hart.

Die Halbinsel Kamtschatka weist mehrere Klimazonen auf, daher unterscheiden sich Schlittenhunde im Süden und Norden stark. Der aktuelle Standard gilt für Hunde aus Zentral- und Südkamtschatka. Der sogenannte Polartyp ist in den nördlichen Dörfern verbreitet; obwohl er nicht offiziell anerkannt ist, findet er sich in fast allen historischen Berichten über Kamtschatka.

Das Fell ist sehr dicht und gut entwickelt, mit einer relativ langen Unterwolle, die den Körper des Hundes gleichmäßig bedeckt. Das Haar an den Pfoten ist mäßig kurz, dicht und rau und bildet zwischen Ballen und Zehen dichte Büschel. Eine große Farbvielfalt ist zulässig. Musher bevorzugen Hunde mit verschiedenen Farben, da einfarbige Hunde auf der Straße schwerer zu kontrollieren sind.

Kamtschatka-Schlittenhund

Charakter und Verhalten

Kamtschatka-Schlittenhunde sind ausgeglichen, ruhig und wendig. Sie entwickeln schnell konditionierte Reflexe und behalten diese zuverlässig. Aggressives Verhalten gegenüber Menschen ist untypisch.

Das Temperament eines Schlittenhundes spielt bei der Arbeit eine entscheidende Rolle und wird bei der Auswahl streng berücksichtigt.

Interessanterweise besitzen sie einen ausgeprägten Diebestrieb. Selbst härteste Strafen können vielen Hunden nicht widerstehen, etwas zu stehlen. Dies, zusammen mit ihrer Unabhängigkeit und einer gewissen Scheu, ähnelt Wölfen und Füchsen. Aus Hunger schließen sie sich zu Rudeln zusammen und greifen Nutztiere an. Konflikte zwischen Artgenossen können mitunter sehr heftig ausfallen. Manche Hunde bellen, aber nur sehr selten; die meisten heulen und winseln.

Kamtschatka-Schlittenhunde sind menschenfreundlich. Sie sind eher zurückhaltend und drängen sich nicht auf, freuen sich aber immer über Lob und Zuneigung. Sie eignen sich nicht für Wachdienste und sind nicht besonders territorial. In der Regel verteidigen sie weder Eigentum noch ihren Besitzer. Sie sind freundlich, zurückhaltend und können Fremden gegenüber misstrauisch sein.

Der Sinn des Lebens für den Kamtschatka-Schlittenhund besteht in ständiger Bewegung und harter Arbeit.

Kamtschatka-Hunde sind von Natur aus neugierig, intelligent und eigensinnig. Sie sind unkompliziert, verspielt und fröhlich. Bei richtiger Erziehung und Ausbildung verhalten sie sich im Schlitten gehorsam, doch ihr Leithund bleibt ihr wichtigstes Kapital. Wie bei anderen Schlittenhunderassen fungiert der Leithund als Bindeglied zwischen Musher und den Hunden im Schlitten.

Kamtschatka-Hundeschlitten

Inhaltsmerkmale

Früher wurden Schlittenhunde außerhalb des Dorfes angekettet gehalten. Pfähle wurden im Abstand von etwa 50 Metern in den Boden gerammt, an denen lange Ketten befestigt waren, um Kämpfe zwischen den Hunden zu verhindern. Zwinger wurden nie gebaut. Der Winter war für die Hunde viel angenehmer als der Sommer. Sie rollten sich zusammen, bedeckten sich mit Schnee und schliefen. Im Sommer mussten sie Löcher in den Boden graben, um Regen und Mücken zu entgehen. Sie krochen so eng hinein, dass nur noch ihre Schwänze herausschauten. Heute hat sich die Haltung der Schlittenhunde auf Kamtschatka kaum verändert, abgesehen von den gelegentlich anzutreffenden kleinen Zwingern.

Der Kamtschatka-Schlittenhund ist bemerkenswert widerstandsfähig und verträgt Futterentzug, widrige Wetterbedingungen und lange Arbeitstage problemlos. Er wurde schon immer für seine schnelle und einfache Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste Bedingungen geschätzt.

Die körperliche Anstrengung muss sehr intensiv sein. Ein arbeitender Schlittenhund aus Kamtschatka beginnt schon nach zwei oder drei Tagen ohne Training zu leiden, wenn die Fahrt nicht wie geplant verläuft, und fängt an, furchtbar zu heulen und zu bellen.

Ernährung

Die Grundlage der Diät Schlittenhunde Auf Kamtschatka bestand die Ernährung seit jeher hauptsächlich aus Fisch und Meeresfrüchten. Die Hunde wurden üblicherweise mit für Menschen ungeeigneten Nahrungsmitteln gefüttert. Sie bekamen rohen, getrockneten oder gefrorenen Fisch und Apana (eine Suppe aus Fisch, Fleischresten und Innereien, gewürzt mit Mehl und manchmal Robbenfett). Ein charakteristisches Merkmal der Kamtschatka-Schlittenhunde ist ihre hohe Verdaulichkeit. Während ein normaler Hund etwa 30 % seiner Nahrung verdaut, kann ein echter Schlittenhund bis zu 70 % verdauen.

Kamtschatka-Hund am Bering-Fluss

Gesundheit und Lebenserwartung

Der echte Kamtschatka-Schlittenhund ist sehr gesund und robust. Einst bewahrten Natur und strenge menschliche Selektion nur die Stärksten. Heute wird die Rasse wiederbelebt, und Inzucht ist unerlässlich. Wie sich dies auf die Gesundheit und Vererbung der Rasse auswirkt, wird sich erst in Zukunft zeigen. Die Lebenserwartung beträgt 12-15 Jahre. Viele Hunde laufen bis zu einem Alter von 11-12 Jahren im Geschirr.

Wo kann man einen Kamtschatka-Schlittenhundwelpen kaufen?

Viele Kamtschatka-Schlittenhunde nehmen jährlich an der Beringia teil, einem der bekanntesten Hundeschlittenrennen der Welt. Sie werden vor allem aufgrund ihrer Arbeitsleistung ausgewählt. Reinrassige Zucht ist noch Zukunftsmusik. Mehrere Züchter arbeiten an der Wiederbelebung der Rasse, fast alle davon in Kamtschatka: Snow Dogs, Inglyau, Eivet, Kainyran und andere. Auch private Züchter verkaufen Welpen, deren Anzeigen jedoch online schwer zu finden sind. Informationen über Kamtschatka-Schlittenhunde finden Sie auf der offiziellen Website der Beringia.

Fotos und Videos

Weitere Fotos von Kamtschatka-Schlittenhunden sind in der Galerie zu sehen.

Video über die Kamtschatka-Schlittenhunderasse

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