Wie Katzen unsere Welt sehen
Katzen leben seit Jahrtausenden mit Menschen zusammen, doch sie bleiben rätselhafte Geschöpfe mit besonderen Fähigkeiten. Deshalb machen sich viele Katzenbesitzer Gedanken darüber, wie Katzen die Welt um sich herum wahrnehmen und wie sich ihr Sehvermögen von dem des Menschen unterscheidet.
Inhalt
Merkmale der Katzenaugen
Das Sehvermögen von Katzen weist einige einzigartige Merkmale auf. Am auffälligsten ist die Größe ihrer Augen – im Verhältnis zu ihrer Körpergröße sind sie deutlich größer als die des Menschen. Ihre konvexe Form ermöglicht ihnen ein Sichtfeld von etwa 270 Grad. Katzenaugen können verschiedene Farben haben, von Hellgold bis Dunkelgrün, und manche Rassen haben sogar blaue Augen.

Die Pupille besitzt eine bemerkenswerte Fähigkeit: Ihre Form verändert sich je nach Lichtintensität. Die Pupillenweite verrät alle Emotionen, Stimmungen und Gefühle des Tieres. Interessanterweise sind die Pupillen großer Katzenarten (Löwen, Tiger) stets rund.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des Katzenauges ist das dritte Augenlid. Es dient als Schutzbarriere und bewahrt das Auge vor Beschädigungen und Staub. Dies ist für ein Raubtier, das sich bei der Jagd oft schnell durch Gras und Geäst bewegen muss, von entscheidender Bedeutung. Das dritte Augenlid ist sichtbar, wenn die Katze ruht und die Augen halb geschlossen hat.
Es gibt eine wissenschaftlich belegte Theorie darüber, wie Katzen unsere Welt sehen. Haustiere besitzen binokulares Sehen. Da sich ihre Sichtfelder auf bestimmte Weise überlappen, kann das Tier ein Objekt mit beiden Augen gleichzeitig untersuchen.
Farbwahrnehmung
Im Gegensatz zu den meisten Tieren, die die Welt schwarz-weiß wahrnehmen, besitzen Katzen Farbsehen. Allerdings ist das Spektrum der von ihnen unterscheidbaren Farbtöne deutlich kleiner als das des Menschen. Katzen sehen die Welt vorwiegend in Grau-Blau-Tönen, können aber bei guten Lichtverhältnissen auch andere Farben wahrnehmen.
- Violett.
- Grün.
- Blau.
Bei Rot, Braun und Orange ist die Situation noch schwieriger. Gelb wird oft mit Weiß verwechselt. Katzen haben von Natur aus nicht die Fähigkeit, die breite Farbpalette des Menschen zu unterscheiden. Für die erfolgreiche Jagd auf Nagetiere ist es daher völlig unnötig, potenzielle Beute anhand ihrer Farbe zu identifizieren.
Das Farbspektrum, das Katzenaugen wahrnehmen, unterscheidet sich deutlich von dem des menschlichen Auges. Dies liegt an den unterschiedlichen Fotorezeptoren in der Netzhaut. Die für die Farbwahrnehmung zuständigen Rezeptoren heißen Zapfen. Katzen besitzen keine Zapfen, die bestimmte Farbsignale erfassen, und können daher Rot-, Orange- und Brauntöne nicht unterscheiden.

Wie können Katzen im Dunkeln sehen?
Manche Katzen zugeschriebenen mystischen Fähigkeiten stimmen nicht. Das gilt beispielsweise für die Behauptung, Haustiere könnten in völliger Dunkelheit perfekt sehen. Um ihre Umgebung visuell wahrzunehmen, benötigen Katzen eine geringe Menge Licht, zumindest einen Bruchteil dessen, was Menschen benötigen, um im Dunkeln Objekte zu erkennen. Katzen können zwar nicht in absoluter Dunkelheit scharf sehen, aber ihr Dämmerungssehen ist achtmal schärfer als das des Menschen. Diese Fähigkeit ist genetisch bedingt – Katzen mussten schließlich im Dunkeln jagen.
Das Katzenauge besitzt eine einzigartige Struktur. Es hat deutlich weniger Zapfen für das langwellige Licht, die für die Farbwahrnehmung verantwortlich sind, als das menschliche Auge. Dafür verfügt es über zahlreiche lichtempfindliche Rezeptoren, die es dem Tier ermöglichen, sich auch bei schwachem Licht perfekt zu orientieren. Darüber hinaus ist die Rückseite der Netzhaut mit einer speziellen Substanz, dem Tapetum lucidum, überzogen. Dieses wirkt wie ein Spiegel und reflektiert das Licht, wodurch Katzen ein deutlich schärferes Sehvermögen als andere Tiere oder Menschen besitzen.
Beobachtungssektor
Jeder Katzenbesitzer weiß, wie schnell eine Katze ein Nagetier oder einen Vogel mit einem einzigen Sprung fangen kann, obwohl sie eine Minute zuvor noch schläfrig und träge gewirkt hat. Dank der besonderen Beschaffenheit ihrer Augen ist es unmöglich, einen Fressfeind zu täuschen. Katzen können ihre Augen um die gesamte Sehachse bewegen. Ihr Sichtfeld beträgt bis zu 270 Grad, wodurch sie alles wahrnehmen können.
Mit nur einem Auge erfasst eine Katze 45 % ihrer Umgebung und kann die Entfernung zu jedem sich bewegenden Objekt präzise einschätzen. Dank ihres Geruchs- und Hörsinns lässt sie ihrer Beute keine Chance.
Entfernung ist wichtig
Durch wissenschaftliche Forschung haben Augenärzte herausgefunden, dass Katzen Objekte, die weiter als 20 Meter entfernt sind, nicht unterscheiden können. Das liegt daran, dass Raubtiere ihre Beute oft aus dem Hinterhalt angreifen und daher weit entfernte Objekte nicht wahrnehmen müssen. Eine weitere Besonderheit des Katzensehvermögens ist die Unfähigkeit, Dinge direkt vor ihrer Nase, also weniger als einen halben Meter entfernt, zu unterscheiden. In solchen Situationen nutzen Katzen ihren Geruchssinn und ihre Schnurrhaare, um die Umgebung abzutasten. Wenn Sie mit Ihrer Katze spielen, sollten Sie dies berücksichtigen und Spielzeug nicht zu nah an ihr Gesicht halten.

Wahrnehmung der Welt
Die Arbeiten des amerikanischen Fotografen Nikolai Lamm, der anhand von Fotografien die Farben, die Katzen sehen können, und ihre Wahrnehmung der Umgebung veranschaulicht, haben bei Katzenliebhabern großes Interesse geweckt. Die Unschärfe der Bilder verdeutlicht die Fähigkeit der Tiere, sich bewegende Objekte zu erkennen, ohne sich in Details zu verlieren. Die Natur hat jedes Organ für seinen vorgesehenen Zweck geschaffen. Der Jagdinstinkt der Katze wird vom Erfassen der Bewegung ihrer Beute angetrieben, während Details wie Fellfarbe und Schwanzlänge irrelevant sind. Die Fotoserie zum Thema „Wie Katzen unsere Welt sehen“ entstand in Zusammenarbeit mit Spezialisten wie Augenärzten und Katzenforschern.
Der Hörsinn von Katzen, der Tonhöhe und Lautstärke unterscheidet, hilft ihnen, ihre Umgebung umfassender wahrzunehmen. Darüber hinaus besitzen Katzen einen ausgeprägten Tastsinn, den sie mithilfe ihrer empfindlichen Tastorgane, den Schnurrhaaren, nutzen. Diese befinden sich nicht nur im Gesicht, sondern auch am Schwanz.
Das Leben einer Katze spielt sich größtenteils in einer Welt der Gerüche ab, die eine wichtigere Rolle spielen als der Sehsinn. Es genügt einer Katze nicht, einen neuen Gegenstand zu sehen; ihn zu beschnuppern ist viel wichtiger.
Dennoch ist der Sehsinn für Katzen ein echter Überlebensmechanismus. Ihre Fähigkeit, Beute auch bei schwachem Licht zu erkennen, macht sie zu einigen der besten Jäger im Tierreich. Wenn Besitzer verstehen, wie ihr Haustier seine Umgebung wahrnimmt, können sie eine engere Bindung und ein besseres Verständnis füreinander aufbauen.
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