Hernie bei Kätzchen: Ursachen und Behandlung

Ein Leistenbruch ist eine anatomische Besonderheit, bei der sich ein Teil eines inneren Organs in eine benachbarte Körperhöhle oder durch eine Öffnung in der Muskelwand vorwölbt. Leistenbrüche sind bei Katzen häufig, können aber lebensbedrohlich werden, wenn der vorgefallene Organteil eingeklemmt wird und die Blutversorgung unterbricht.

Leistenbruch bei einer Katze

Ursachen und Anzeichen von Hernien bei Katzen

Die Entstehung eines Leistenbruchs kann durch folgende Faktoren hervorgerufen werden:

  • angeborene Defekte des Peritoneums oder des Zwerchfells;
  • Verletzungen mit Muskelriss;
  • Pressen beim Stuhlgang aufgrund von Verstopfung;
  • häufiges Völlegefühl;
  • schwache Bauchmuskulatur;
  • Mehrlingsschwangerschaft oder schwierige Geburt;
  • Komplikationen nach der Operation (Nähte an der Bauchwand lösten sich auf).

Leistenbruch bei einem Kätzchen

Ist der Leistenbruch klein und nicht eingeklemmt, treten außer der leicht zurückziehbaren Vorwölbung möglicherweise keine weiteren Symptome auf. Bei einem eingeklemmten Leistenbruch kommt es zu Schwellungen im betroffenen Bereich, und die Katze leidet unter starken Schmerzen. Je nach Lage innerer Leistenbrüche können Erbrechen, Appetitlosigkeit, allgemeines Unwohlsein und verminderte Aktivität auftreten. Ein Zwerchfellbruch kann Atemprobleme verursachen.

Arten von Hernien

Je nach Entwicklungszeitpunkt können Hernien bei Katzen angeboren oder erworben sein. Die angeborene Form tritt typischerweise bei Kätzchen auf und entsteht, wenn sich die Nabelschnur des Neugeborenen nicht richtig verschließt, wodurch das Netz oder ein Teil des Darms durch die Haut hervortritt.

Hernien werden nach ihrem Typ in innere und äußere Hernien unterteilt. Bei inneren Hernien verlagert sich der Bruchsack in eine benachbarte Körperhöhle, während er sich bei äußeren Hernien in die subkutane Muskulatur und das Fettgewebe vorwölbt, ohne die Haut zu durchbrechen. Äußere Hernien werden wiederum in reponierbare und irreponible (inkarzerierte) Hernien unterteilt. Bei einer irreponiblen Hernie kann das vorgefallene Organ nicht reponiert werden; aufgrund der gestörten Durchblutung entzündet sich der Inhalt des Bruchsacks und stirbt schließlich ab.

Ein Leistenbruch bei einer Katze

Hernien werden auch nach ihrer Lage klassifiziert.

Nabelschnur

Sie erscheint als weiche Wölbung. Sie befindet sich auf der Linea alba und entsteht, wenn sich eine Lücke oder Öffnung in der Bauchwand bildet.

Ein Leistenbruch bei Katzenwelpen verschwindet oft von selbst im Alter von drei bis vier Monaten, wenn sich der durch das Ineinandergreifen von Sehnen gebildete Nabelring zurückbildet.

Leiste

Es handelt sich um einen Darmvorfall, bei dem sich ein Teil des Darms zwischen den Muskeln und Bändern in der Leistengegend vorwölbt. Er ist häufig reversibel und erfordert keinen chirurgischen Eingriff.

Zwerchfell (Hiatus)

Sie entsteht, wenn sich ein Organ aus der Bauchhöhle durch eine Öffnung im Zwerchfell in die Brusthöhle vorwölbt. Dies kann durch Verletzungen oder angeborene anatomische Fehlbildungen verursacht werden (diese Art wird als „Gleithernie“ bezeichnet, da sie meist spontan auftritt und wieder verschwindet).

Röntgenbild einer Katze

Hodensack

Das vorgefallene Organ verlagert sich in eine sackartige Struktur im Dammbereich. Hodensackbrüche sind bei Katzen relativ selten und entstehen meist durch eine Überbeanspruchung der Bauchmuskulatur.

Perikardioperitoneal

Eine weitere, eher seltene Hernienart bei Katzen entsteht, wenn Organe aus der Bauchhöhle in die Brusthöhle vorfallen und auf den Herzmuskel drücken. Es handelt sich meist um eine komplizierte Form der Hiatushernie.

Zwischenwirbel

Sie entsteht durch eine Verformung der Bandscheibe, und in den meisten Fällen ist auch das Rückenmark geschädigt. Ein Bandscheibenvorfall verursacht typischerweise starke Schmerzen. Da Katzen keine aufrecht gehenden Säugetiere sind, tritt diese Art von Bandscheibenvorfall meist bei älteren Katzen auf.

Eine Katze in der Klinik

Diagnose und Behandlung

In den meisten Fällen reicht eine körperliche Untersuchung aus, um einen äußeren Leistenbruch bei einer Katze zu diagnostizieren. Ein Leistenbruch lässt sich beispielsweise leicht feststellen, indem man die Katze auf die Hinterbeine stellt. Ein Nabelbruch bei einem Kätzchen wird sichtbar, wenn es auf dem Rücken liegt. Ist der bei der Untersuchung festgestellte Bruch jedoch groß, kann der Tierarzt eine Röntgenaufnahme anordnen, um eine Einklemmung auszuschließen.

Innere Zwerchfell-, Perikard- und Wirbelhernien können nur mit Hilfe von apparativen Diagnoseverfahren erkannt werden: Röntgen, Sonographie (Ultraschall), Magnetresonanztomographie.

Hernien bei Katzen werden in einer Tierklinik behandelt. Bei kleinen Nabel-, Leisten- und Hodensackhernien versucht der Tierarzt, den Bruch vorsichtig zurückzuschieben. Gelingt dies, wird dem Tier eine stabile Stützschiene angelegt, um ein erneutes Auftreten zu verhindern. Die Katze muss diese Schiene etwa einen Monat lang tragen. Zwerchfell-, Herzbeutel- oder Bandscheibenhernien können aufgrund ihrer inneren Lage nicht konservativ behandelt werden.

Große Hernien bei Katzen werden operativ entfernt, aber wenn die inneren Organe von den Muskelwänden eingeklemmt werden, benötigt die Katze eine Notoperation.

Vorbereitung auf die Operation

Eine Hernienoperation wird unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung durchgeführt. Vor dem Eingriff wird die Katze untersucht, um ihren allgemeinen Gesundheitszustand festzustellen. Bei Entzündungen im Körper wird die geplante Operation nicht durchgeführt.

Da Hernien bei Kätzchen häufiger vorkommen als bei erwachsenen Katzen, empfehlen Tierärzte oft, die Hernienreparatur mit der Kastration zu kombinieren, um die Anzahl der chirurgischen Eingriffe zu reduzieren.

Phasen der Operation:

  1. Das Tier ist in Rückenlage fixiert.
  2. Das Bauchfell am Herniengrund wird mit einem Anästhetikum injiziert. Die Anästhesielösung wird zuerst in die Unterhaut und dann in die tiefer liegende Muskulatur injiziert.
  3. Die Haut im Bereich des Hernienvorfalls wird mit einem Skalpell eingeschnitten.
  4. Der Bereich des Bauchfells, aus dem der Bruch hervortritt, wird mit einem Gazetupfer abgetrennt.
  5. Falls im Bruchsackinhalt abgestorbene (nekrotische) Bereiche gefunden werden, werden diese entfernt.
  6. Der Bruchsack wird in seine ursprüngliche Position in der Bauchhöhle zurückverlagert. Seine Ränder werden eingekerbt, um die Heilung mit dem inneren Gewebe zu erleichtern.
  7. Nachdem der Bruchinhalt reponiert wurde, wird der leere Bruchsack amputiert.
  8. Falls eine Verklebung zwischen dem Bruchsack und dem Bauchfell festgestellt wird, werden diese mit einem Knopfskalpell getrennt.
  9. Bei Fällen, in denen aufgrund der weiten Hernienöffnung des Rings die Gefahr eines erneuten Hernienvorfalls besteht, wird eine Endoprothese in Form eines Polypropylennetzes verwendet, das mit der Zeit in das Körpergewebe einwächst.
  10. Die Wunde (Hernienöffnung) wird mit einem selbstresorbierbaren Faden mittels einer Schlaufennaht vernäht.

Um eine Infektion der postoperativen Wunde zu verhindern, wird diese mehrere Tage lang mit einem Antiseptikum (Chlorhexidin oder Wasserstoffperoxid) behandelt. Um die Entwicklung einer bakteriellen Infektion zu verhindern, kann dem Tier eine fünftägige Antibiotikatherapie verordnet werden.Amoxicillin, Oxacillin, Cefazolin).

Katze nach der Operation

Um zu verhindern, dass die Katze die Operationswunde leckt oder kratzt, wird ihr ein Schutzverband oder ein spezieller, steifer, trichterförmiger Kragen angelegt. In den ersten Wochen nach der Operation darf Ihr Tier nicht ins Freie und nicht aktiv spielen.

Nach der Operation wird für Katzen eine schonende Ernährung empfohlen – der Speiseplan sollte überwiegend aus weichen, halbfesten und leicht verdaulichen Nahrungsmitteln bestehen.

Verhütung

Hernien bei Katzen können durch verschiedene innere Organprobleme verursacht werden. Daher sind regelmäßige tierärztliche Kontrolluntersuchungen, Impfungen und die Behandlung festgestellter Erkrankungen wichtig. Für die Gesundheit ist eine ausgewogene Ernährung unerlässlich. Außerdem sollte Ihre Katze vor Verletzungen und Überanstrengung geschützt werden. Da angeborene Hernien vererbt werden können, wird von der Zucht mit Katzen mit dieser Erkrankung abgeraten.

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