Bergamasker Schäferhund (Bergamasco)
Der Bergamasker ist eine alte italienische Hütehundrasse, die man kaum mit anderen verwechseln kann. Sein dichtes, langes Fell bildet Zotten oder flache Pfoten, und seine typische Farbe ist Grau. Bergamasker sind gutmütig, pflegeleicht, energiegeladen und robust. Sie eignen sich hervorragend als Begleithunde oder werden, wie ursprünglich vorgesehen, als Hütehunde eingesetzt. Für die Wohnungshaltung sind sie weniger geeignet.

Inhalt
Ursprungsgeschichte
Die Vorfahren des heutigen Bergamasker Schäferhundes lassen sich seit der Antike in den Alpen und angrenzenden Regionen nachweisen, der Großteil der Population konzentrierte sich jedoch im Bergamotal, wo die Schafzucht weit verbreitet war. Ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, das Lorenzo Lotto zugeschrieben wird, zeigt einen Hund, der dem Bergamasker ähnelt. SchäferhundSie tauchten aber vermutlich schon viel früher auf. Bergamasker Hirtenhunde zählen zu den Treibhunden. Im Laufe der Geschichte wurden sie zum Begleiten, Zusammentreiben und Führen von Nutztieren eingesetzt, entweder selbstständig oder in enger Zusammenarbeit mit Menschen. Sie bewährten sich nicht nur bei Ziegen und Schafen, sondern auch bei Kühen.
Die Rasse wurde von Hirten und Bauern unter den Bedingungen der natürlichen Selektion entwickelt. In den 1890er Jahren begann Marcus Paolo gezielte Zuchtarbeit mit den damals sehr unterschiedlichen Bergamasker Hunden und etablierte sie erfolgreich als eigenständige Rasse. Er verfasste auch den ersten Standard für den Bergamasker Schäferhund (italienisch: Cane da pastore bergamasco). Das Bergamasker Zuchtbuch wurde 1891 gegründet. 1949 wurde der Nationale Club für die Rasse gegründet, der vom Italienischen Kennel Club und der FCI anerkannt wurde. Dies lenkte die Aufmerksamkeit auf die Rasse in Italien und der Schweiz, trug aber nicht zu ihrer weiten Verbreitung bei. Der Bergamasker Schäferhund zählt zu den seltensten Hunderassen der Welt.
Video über die Bergamasker Schäferhundrasse:
https://youtu.be/6aVDSKn-CKw
Aussehen
Der Bergamasker ist ein mittelgroßer, robuster Hütehund mit dichtem, langem Fell, das den ganzen Körper bedeckt und dicht verfilzt. Sein Körperbau ist quadratisch, harmonisch und muskulös. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von etwa 60 cm und wiegen 32–38 kg, Hündinnen 56 cm und wiegen 26–32 kg.
Die Kopfform ähnelt einem Quader. Der Schädel ist breit und zwischen den Ohren gewölbt. Die Schädellänge entspricht der Fanglänge. Der Stop ist deutlich ausgeprägt. Der Fang verjüngt sich merklich zur Spitze der schwarzen Nase hin. Die Lefzen sind dünn und gut pigmentiert. Die Kiefer sind gut entwickelt. Das Gebiss ist vollständig und bildet ein Scherengebiss. Die Augen sind groß, braun und haben einen ruhigen, aufmerksamen Ausdruck. Die Lider sind leicht oval. Die Wimpern sind sehr lang. Die Ohren sind hoch angesetzt, wobei zwei Drittel der dreieckigen Ohrmuschel auf Knorpel hängen und die Spitzen leicht abgerundet sind.
Der Hals ist leicht gewölbt und weist einen deutlich ausgeprägten Nackenkamm auf. Der Widerrist ist klar definiert. Die Lendenregion ist leicht konvex. Die Kruppe ist mäßig abfallend, der Rücken gerade und breit. Die Brust ist voll und reicht bis zu den Ellbogen. Der Schwanz ist im unteren Drittel der Kruppe angesetzt, an der Basis dick und verjüngt sich zu einem langen, säbelförmigen Schwanz. In der Bewegung wird er höher als der Rücken getragen. Die Gliedmaßen sind gerade und harmonisch proportioniert. Die Pfoten sind oval, mit kräftigen, gut gewölbten Zehen, elastischen Ballen und pigmentierten Krallen.
Die Haut liegt am ganzen Körper straff an und ist dünn, ohne Wamme, Falten oder Runzeln. Das Fell ist üppig, dicht, zottelig und sehr lang. Es fühlt sich eher rau und kratzig an, besonders an der Vorderseite des Körpers, und erinnert an Ziegenfell. Mit zunehmendem Wachstum bildet es gleichmäßige Zotten oder Matten, die den Hund wie ein fester Panzer bedecken. Die Zotten können bis zum Boden reichen. Am Kopf ist das Fell kürzer, wobei Strähnen Augen, Ohren und Schnauze bedecken. An den Beinen fällt das Fell gleichmäßig in weichen Strähnen herab. Die Unterwolle ist sehr kurz und dicht, bedeckt die Haut vollständig und fühlt sich fettig an. Nur wenige Rassen haben diese Fellart. Komondor, Kugeln, Spanischer Wasserhund und Bergamasco selbst.
Das Fell des Bergamasker Schäferhundes ist grau mit Flecken in verschiedenen Schattierungen, von Hellgrau über Anthrazit und Schwarz bis hin zu Isabella und Hellbraun. Weiße Flecken sind möglich, sofern sie nicht mehr als ein Fünftel der Gesamtfleckenanzahl ausmachen.

Charakter und Verhalten
Der Bergamasker Schäferhund hat ein ausgeglichenes und freundliches Wesen. Er ist intelligent, sensibel und gehorsam und somit ein vielseitiger Hund. Er lernt gern und besitzt angeborene Geduld. Er betrachtet seine Familie als Herde, die zusammengehalten und beschützt werden muss. Er ist sehr aufmerksam und hat stets den Aufenthaltsort und die Aktivitäten aller Familienmitglieder im Blick. Der Bergamasker Schäferhund ist ein guter Begleiter für Erwachsene und Kinder. Aufgrund seiner Geselligkeit und seines fehlenden Aggressionspotenzials ist er kein Leibwächter, verteidigt aber im Notfall, insbesondere Kinder. Auch ältere Kinder betrachtet er als seine Schützlinge oder Gleichgestellten. Er sieht in der Regel einen Erwachsenen als Anführer, gehorcht aber allen gleichermaßen.
Der Bergamasker Schäferhund baut eine enge Bindung zu allen Familienmitgliedern auf und mag es nicht, lange allein gelassen zu werden. Er folgt seinem Besitzer überall hin. Er besitzt ausgeprägte Wachhundinstinkte, bellt aber nicht unnötig. Wie es sich für einen Hütehund gehört, ist er agil und energiegeladen und sehr auf seinen Besitzer bezogen. Er kann bei Bedarf selbstständig arbeiten, reagiert aber sofort auf Kommandos. Er ist äußerst ausdauernd und beharrlich in seiner Arbeit und kann seine Arbeitsbelastung dennoch selbstständig einteilen.
Moderne Bergamasker haben ihre Arbeitsqualitäten bewahrt und werden oft noch für ihren ursprünglichen Zweck eingesetzt: Sie helfen beim Hüten von Vieh, treiben verirrte Tiere zusammen, blockieren Wege und können – mit dem richtigen Training – sogar eine bestimmte Gruppe oder Herde vom Rest der Herde isolieren. Wenn die Arbeit auf dem Bauernhof nicht möglich ist, werden sie gerne als Hütehunde eingesetzt.
Schul-und Berufsbildung
Der Bergamasker Schäferhund ist mit seinem lebhaften und intelligenten Wesen sehr leicht zu erziehen, und die Welpenaufzucht bereitet selten Schwierigkeiten. Seine Ausdauer, sein Geselligkeit und seine Arbeitswilligkeit machen ihn zu einem nahezu universellen Hund. Er glänzt in Gehorsamkeitswettbewerben, kann als Blindenhund eingesetzt werden und findet auch bei verschiedenen Such- und Rettungseinsätzen Verwendung.
Der Bergamasker ist stark und mutig genug, um seine Familie und sein Eigentum zu beschützen, doch ist es unüblich, ihn als Schutzhund auszubilden. Sein freundliches und nicht aggressives Wesen macht ihn für diese Art von Arbeit ungeeignet. Züchter von Bergamaskern testen den Hüteinstinkt, der ein wesentlicher Bestandteil der Rasse ist.

Inhaltsmerkmale
Das ideale Umfeld für einen Bergamasker Schäferhund ist ein Privathaus oder ein Bauernhof, jedoch kein geschlossener Zwinger oder die Haltung an kurzer Leine. Selbst bei ausreichend Bewegung gewöhnen sie sich schlecht an das Leben in einer Wohnung.
Für die körperliche und seelische Gesundheit des Bergamasker Schäferhundes ist ausreichend Bewegung wichtig. Das bedeutet nicht nur Spaziergänge an der Leine, sondern vielmehr freies Herumtoben und Spielen mit seinem Besitzer und anderen Hunden. Längere Aufenthalte im Freien sind zudem unerlässlich für die Belüftung und die Fellpflege. Der Bergamasker Schäferhund verträgt Kälte und leichten Frost gut. Extreme Hitze kann ihm etwas mehr zu schaffen machen.
Pflege
Das Fell des Bergamasker Schäferhundes wächst mäßig schnell und bildet im Alter von 2,5 bis 3 Jahren die für die Rasse typischen Dreadlocks. Die Deckhaare wachsen kontinuierlich, und die Unterwolle verfilzt beim Ausfallen mit dem Deckhaar, sodass der saisonale Fellwechsel minimal ist.
Bis zum ersten Lebensjahr benötigt das kurze Fell eines Welpen lediglich regelmäßiges Bürsten und gelegentliches Baden. Im Alter von 1,5 bis 2 Jahren beginnt das Fell zu verfilzen. In dieser Zeit sind besondere Aufmerksamkeit und Pflege notwendig. Die Locken sollten von Zeit zu Zeit per Hand entwirrt werden, damit sie sich zu ordentlichen, natürlichen Verfilzungen formen. Später sollte darauf geachtet werden, dass das Fell im Genitalbereich, an der Nase, in den Achselhöhlen und im Leistenbereich gekämmt und frei von Verfilzungen ist. Das Fell über den Augen und um das Maul wird leicht getrimmt. Bei Hündinnen bilden sich die charakteristischen Locken tendenziell leichter. Baden wird nur selten empfohlen, und zwar nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Manche Hundehalter, die ihre Hunde nicht auf Ausstellungen präsentieren, bevorzugen einen Kurzhaarschnitt.
Lebt ein Hund in einer Hundebox oder Wohnung und bekommt er wenig Auslauf im Freien, können die Kabel einen unangenehmen Geruch abgeben. Dies wird durch mangelnde Belüftung, Feuchtigkeitsansammlung und das Wachstum von Mikroorganismen verursacht.
Zu den weiteren empfohlenen Hygienemaßnahmen gehören die regelmäßige Reinigung von Ohren und Zähnen, die Augenreinigung und das Schneiden der Nägel, sofern diese sich nicht von selbst abnutzen.
Ernährung
Der Bergamasker Schäferhund ist nicht besonders wählerisch beim Fressen. Um seine Gesundheit zu erhalten, ist es jedoch wichtig, dass die Ernährung seinen physiologischen Bedürfnissen vollumfänglich entspricht. Dazu gehören beispielsweise: Naturprodukte oder Fertigfutter. Der Besitzer wählt die optimale Option basierend auf persönlichen Erwägungen und den Geschmacksvorlieben des Hundes.

Gesundheit und Lebenserwartung
Bergamasker Schäferhunde sind im Allgemeinen sehr gesund und haben ein starkes Immunsystem. Sie sind robust und passen sich leicht an verschiedene Lebensbedingungen und Klimazonen an. Da die Rasse so selten ist, lässt sich wenig über genetische Erkrankungen sagen. Derzeit sind Züchter lediglich verpflichtet, ihre Hunde auf Hüft- und Ellenbogendysplasie zu testen.
Trotz seiner robusten Gesundheit benötigt der Bergamasker Standard-Tierarztmaßnahmen: regelmäßige Impfungen, Behandlung für extern und innere Parasiten. Die Lebenserwartung beträgt in der Regel 12-13 Jahre.
Auswahl eines Bergamasker Schäferhundwelpen
Der Bergamasker ist eine sehr seltene Rasse, daher kann es schwierig sein, einen Welpen zu bekommen. 2017 registrierte der italienische Kennel Club nur 84 neugeborene Bergamasker, in den Jahren zuvor waren es etwas mehr. Der Großteil der Rasse lebt in Italien, der Schweiz und den USA. Vereinzelt gibt es die Rasse auch in anderen Ländern. In Russland sind Bergamasker selten.
Wer einen guten Bergamasker Welpen kaufen möchte, muss entweder in die Heimat der Rasse reisen, um ihn abzuholen, oder mit dem Züchter über den Versand aus Europa verhandeln.
Einen Züchter für Bergamasker Schäferhunde finden Sie über verschiedene Clubs und Hundeverbände, wie zum Beispiel die International Bergamasco Shepherd Association (IBSA).
Preis
In Europa, insbesondere in Italien, liegt der Durchschnittspreis für einen Bergamasker Welpen bei 1.000 Euro. Für Russland und die GUS-Staaten sind aufgrund der geringen Anzahl an Rassen nur wenige Informationen verfügbar.
Fotos
Die Galerie zeigt Fotos von Bergamasker Hunden. Die Welpen haben kurzes, gewelltes Fell. Die anspruchsvollste Übergangsphase liegt zwischen 1,5 und 3 Jahren, wenn der Bergamasker einem zotteligen Brownie ähnelt und regelmäßige Fellpflege benötigt. Das Fell erwachsener Hunde ist fest und verfilzt oder flach.
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